Grundsätzlich handelt es sich bei dem Begriff soziale Netzwerke (social Network) um eine Reihe interaktiver und kollaborativer Elemente des Internets. Die Rollenverteilung und Nutzen von sozialen Netzwerken lässt sich von zwei Seiten betrachten. Auf der einen Seite sind die Benutzer von Diensten und auf der anderen Seite die Anbieter der Plattformen. Beide Seiten haben aus meiner Sicht völlig unterschiedliche Interessen und geschäftlichen Nutzen.
Betrachten wir die Seite der Benutzer in den sozialen Netzen oder des sogenannten Web 2.0. Im Vordergrund steht die Architektur des Mitwirkens, d.h. jeder kann und soll mitmachen. Werblich wird uns eingeredet, dass wir alles Mögliche mit dem Rest der Welt teilen wollen oder sollen.
Die wichtigsten Anbieter von im weitesten Sinn sozialen Netzen und mit den aktuell meisten Nutzern sind Facebook, Google Buzz, Flickr, MySpace, Twitter, StudiVZ, Wikipedia, YouTube, Xing, Weblogs wie Blogger und WordPress. Nicht namentlich aufzählbar sind die Chat- und Foren-Plattformen und Communitys (Netzgemeinschaft) zu allen Themen, die man sich ausdenken kann.
Warum sollte ich eine dieser Anwendungen nutzen? Offensichtlich ist das Bedürfnis Mitteilungen, Meinungen, Bilder und Werbebotschaften für Jedermann sichtbar ins Internet zu stellen für viele Bevölkerungsgruppen ein großes Bedürfnis. Über die „Qualität“ der Veröffentlichungen und deren schriftlicher und optischer Darstellung möchte ich nicht urteilen. Achten Sie mal auf die Selbst-Darstellung von Personen in veröffentlichen Videos!
Ziemlich oft sind Beiträge im „Mitmach-Internet“ auch eine Zurschaustellung des eigenen Privatlebens für andere einsame Menschen, die gerne Kontakt mit der Außenwelt, haben wollen. Im realen Leben finden wir den Kaffeeklatsch oder das Gespräch am Tresen in der Kneipe.
Nicht nur Experten verewigen sich passend oder unpassend mit Postings. Freundschaft per Mausklick, wie es Facebook suggeriert, ist nach meiner Auffassung eine Illusion. Ernsthafte Themen werden meist nicht ausreichend diskutiert, da spätestens in der dritten Antwort auf eine Frage oder Meinungsäußerung vom Thema abgewichen wird. Es soll auch eine große Anzahl von Menschen geben, die nicht aktiv mit Beiträgen im sozialen Netz teilnehmen, aber genüsslich als Voyeure mitlesen. Der Zustrom und Nutzung von sozialen Netzen hält durch die mobilen Möglichkeiten mit Kleincomputer im Hosentaschenformat zu jeder Zeit und unabhängig vom heimischen PC auf den Dienst zu zugreifen, an.
Einer aktuellen Studie von Business Wire ist zu entnehmen, dass soziale Medien längst nicht mehr nur für die junge Generation interessant sind. 80 Prozent stammen aus der Nutzergruppe der unter 35jährigen. Bei den 36- bis 50-jährigen vernetzen sich mittlerweile 60 Prozent und bei den 70- bis 80-jährigen immerhin noch 21 Prozent der Internet Benutzer.
Betrachten wir nun den Nutzen für die Seite der Anbieter der Plattformen der sozialen Netze.
Zusammenfassend liefern wir den Anbietern der Plattformen zu allen Themen Material in Hülle und Fülle in Wort und Bild. Sie erstellen Nutzerprofile, um damit Geschäfte zu generieren.
Dabei fällt mir besonders auf, dass die Anbieter der Dienste es mit der Privatheit der Daten heute nicht mehr so genau nehmen. Da ist wenig transparent, wer was vom eigenen Profil sehen und nutzen kann oder an Dritte weiter verkauft. Das führt zu einer bislang ungekannten Offenheit. Auf gesellschaftliche Konventionen wird selten Rücksicht genommen. Bei dem neuen Dienst Foursquare, Gowalla und Google Buzz werden die Benutzer aufgefordert, der Welt in regelmäßigen Abständen mitzuteilen, wo er oder sie sich gerade befindet. Die GPS-Empfänger der mobilen Geräte machen es möglich. Das ist sicherlich hervorragendes Material für bestimmte Personen, zum Stalker zu werden. Überhaupt haben es die „Location Based Services“ in sich, denn „Big Brother is watching you“ wird hier in Anlehnung an Orwells Roman 1984 und den Begriff „Großer Bruder“ verwirklicht.
Der wirtschaftliche Nutzen der Plattform Anbieter ist doch ganz klar. Wer als Anbieter die genauesten Profile für den einzelnen Benutzer erstellen kann, ist im wirtschaftlichen Vorteil. Er kann in die Anwendung, unabhängig vom benutzten Endgerät, die exakt passende Werbung mit den persönlichen Vorlieben einblenden. Google macht die größten Erlöse mit Online-Werbung. Apple möchte dieses Erfolgsmodell kopieren. Facebook und Twitter haben noch keinen finanziellen Nutzen aus den Millionen an Nutzern generieren können oder wissen wir es nur nicht? Chat- und Foren-Plattformen sind wohl mehr zur Selbstverwirklichung der Experten Moderatoren da. Denn mit diesen Community-Plattformen ist wohl kein Geld im Internet zu verdienen.
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