Beta-Versionen von Hard- und Software

Ich habe mein ganzes Berufsleben mit der Informationstechnik verbracht. Die Zeiten haben sich gewandelt. Vor vielen Jahren wurden, ob Hardware oder Software Produkte auf den Markt gebracht, die im weitesten Sinn ausgereift waren. Ausrutscher in der Tauglichkeit für den Kunden gab es immer wieder. Die Produktzyklen waren jedoch länger und die Ware kam gefühlt ausgereifter zum Kunden.

Beta-Versionen sollen im allgemeinen Sprachgebrauch die letzte Version vor der endgültigen Version sein. Die Veröffentlichung dient der Fehlersuche (Bugsuche) durch den Kunden. Früher wurden solche Beta-Versionen einem ausgewählten Kreis Benutzern zur Verfügung gestellt. Langsam kommt auch die Veröffentlichung von Alpha-Versionen in Mode.

Da werden sogenannte Alpha-Versionen auf den Markt geschmissen, nach dem Motto, die Bananen-Software reift beim Kunden. Der „doofe“ Kunde fühlt sich geehrt, wenn er dem Hersteller die Software testen und Bericht über die gefundene Fehler abgeben darf.

Heute ist die Beta-Version Standard geworden. Oft werden elektronische Produkte im Marketing damit beworben, aber die Inhalte der Produkte stimmen in den seltensten Fällen mit den Sprüchen der Marketing Experten überein. Neue Funktionen oder peppiges zeitgenössisches Design sind den Unternehmen viel wichtiger als die Fehlerbereinigung.

Dann amüsiere ich mich immer wieder über leere Begriffe wie „Beta Universum“,„open Beta“, „Gerüchte über Beta“, „Beta Release“, „finale Beta“, „Beta noch in diesem Jahr“, „Beta für“, Pre-Beta“ u.a. Viel ehrlicher wäre es doch, diese unreifen Software-Versionen als Testversionen zu bezeichnen.

 

Heute habe ich einen neuen Begriff entdeckt “zweite Beta”. Wenn ich das richtig interpretiere, ist es noch einlanger Weg zur “finalen Beta” Version.

Grundsätzlich kann eine moderne Software durch die Komplexität der Entwicklungswerkzeuge (SDK), der Eigenarten der Programmiersprachen und Programmierer, der unterschiedlichen Hardware auf der die Software laufen soll, niemals fehlerfrei sein.

Bei Hardware Produkten wird offiziell nicht von Beta-Versionen gesprochen, denn Hardware kann beim Kunden nicht nachgerüstet werden. Aber auch hier schlagen wieder die Beta-Versionen der sogenannten Firmware zu. Produkte, die allein durch die verbaute Hardware gesteuert werden, gibt es immer weniger. Das Leben wird der Hardware durch die Firmware eingehaucht. Da sind wir wieder bei der Firmware. Viele Funktionen gehen schlecht oder gar nicht und man wird auf einen Update vertröstet. Hat man das Pech, dass das gekaufte elektronische Gerät einen sehr kurzen Produktionszyklus hat, wird es seitens der Software nie richtig laufen.

Doch welchem Hersteller oder Fabrikant kann man da überhaupt noch trauen ein ordentliches und für den Gebrauch taugliches Produkt mit Support anzubieten? Viele Hersteller mit bedeutenden Namen haben oft nicht mehr die Hoheit über die Hardware, geschweige denn die Software. Als Beispiel mag der Auftragsfertiger Foxconn in China mit seinen fast 1 Million Mitarbeitern und Hungerlöhnen dienen. Foxconn plant und produziert für viele namhafte Hersteller wie Apple, HP, Sony u. a.

Erschreckend ist bei fehlerhafter Hardware oder Software der Service der Firmen, heute meist kostenpflichtig, aber aus meiner Sicht inkompetent und nutzlos.

Mir fällt es heute sehr schwer, elektronische Produkte mit guter Qualität zu finden, denn zwei Mal billig gekauft, ist auf jeden Fall teurer als einmal Qualität gekauft.


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