Google Street View vs. Fingerabdrücke u.a.


Es ist erstaunlich wie das Thema Google Street View als virales Marketing durch alle Medien in den letzten Woche geistert. So viel Geld hätte Google vermutlich gar nicht ausgeben wollen, um den Dienst in Deutschland bekannt zu machen.

Über Google Earth hat sich meines Wissens bisher niemand aufgeregt. Hier sind doch viele Details auch von Objekten mit Sicherheitsstatus, zum Beispiel Bundeswehr, Atomkraftwerke, Flughäfen und jedes Grundstück mit Straßenzuordnung aus der Hubschrauber Perspektive perfekt zu finden und einzusehen.

Öffentliche Präsentationen in dieser Art werden in Deutschland auch von anderen Anbietern wie e-rent.de, bilderbuch-koeln.de, panolife.de u.a. angeboten.

Werden mit einer Kamera in der Öffentlichkeit Bilder mit Objekten, Personen aufgenommen und die Bilder werden ins Internet gestellt, kümmert das niemanden. Es werden immer mehr Überwachungskameras an öffentlichen und privaten Orten in Betrieb genommen. Das Mauterhebungssystem auf den Autobahnen fotografiert jedes Kfz-Kennzeichen mit FE-Schrift.

Jedes moderne Smartphone hat einen eingebauten GPS-Sensor, mit dem das Gerät und sein Besitzer bis auf wenige Meter geortet werden kann. Ist der GPS-Sensor nicht aktiviert, kann man mittels des GSM-Signals ein mobiles Gerät einer Funkzelle zu ordnen.

Diverse Firmen sammeln für Smartphones oder Web-Anwendungen Daten zur WLAN-Lokalisierung und Datenverkehr. Telekommunikationsanbieter speichern Daten zur Verbindung, speziell den Einzelverbindungsnachweis für Ihre Telefonverbindungen.

In der Reichweite von WLANs werden unverschlüsselte e-Mails, Benutzerkennungen und Passwörter aufgezeichnet.

Auf dem PC, Notebook, Netbook, Tablet-PC und Smartphone installierten Anwendungen fragen den Hersteller der Software nach Updates ab. Durch diese Funktion weiß jeder Hersteller exakt, welche Software und Version auf einem Computer installiert ist.

Die Gesundheitskarte speichert Daten des Patienten und macht die Daten nach dem Lesen der Chipinhalte überall zum Abspeichern zugänglich.

Sogenannte Kundenkarten oder Rabattkarten, zum Beispiel PAYBACK, Miles & More, sammeln mit Einwilligung der Kunden für Bonusprämien Daten. Die Firmen werten diese zum Zwecke der Werbung und Marketing aus und verkaufen diese Daten bzw. Adressen oft an interessierte Unternehmen.

Die Firma Easycash speichert nach Angaben des NDR ca. 50 Millionen Daten von Menschen, die mit der ec-Karte eingekauft haben zur Risikoabschätzung der Zahlungsfähigkeit. Gespeichert werden Kontonummer, Bankleitzahl, Laden des Einkaufs und die Summe. Easycash wertet die Daten angeblich systematisch für Kundenanalysen aus. Es sollen dazu 14 Millionen Kundenkarten von einem Tochterunternehmen genutzt worden sein. Die Ergebnisse dieser Auswertung werden an Handelsunternehmen verkauft.

Nach einem Bericht vom 05.11.2010 im Hamburger Abendblatt hat die Hamburger Sparkasse (HASPA) systematisch psychologische Profile ihrer Kunden zur Verkaufsunterstützung Ihrer Berater in der Vergangenheit angelegt.

Der Staat führt ein sogenanntes Solarkataster. Aus diesem Kataster werden gegen Geld Adressen und Dachflächen ohne Solarflächen verkauft. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Daten über Kraftfahrzeuge und in welchen Städten und Stadtteilen die Halter registriert sind.

Ab dem zweiten Halbjahr 2011 startet das Nachrichtendienstliche Informationssystem des Bundesverfassungsschutzes (NADIS) mit der Möglichkeit einer Volltextsuche. In der Datenbank befinden sich auch Daten von unbescholtenen Bürgern, die ohne es zu wissen, Kontakt zu Zielpersonen hatten, beispielsweise Demonstranten oder zufällige Teilnehmer an Veranstaltungen, die Verfassungsschützer in ihren Berichten aufgeführt haben.

Demnächst startet wieder die “Volkszählung” auch Zensus genannt an. Darin werden wohl auch Hauseigentümer nach dem Einkommen befragt. Wer das nicht tut, muss Strafe zahlen.

In jedem ordentlichen Hotel oder Pension muss man einen Meldeschein mit Namen, Adresse und Identifikationsnummer des Ausweises ausfüllen.

Jeder Bürger muss sich in Deutschland mit seinem ersten oder zweiten Wohnsitz bei der Stadt oder Gemeinde registrieren lassen. Für das Meldeamt ist der Verkauf von Adressen an Adresshändler ein lukratives Geschäft. Das Meldeamt kassiert pro Adresse 5 Euro. Wohin die Daten dann gelangen und wie oft die Adresse dann weiter verkauft wird, ist nicht nachvollziehbar.

Niemand unternimmt etwas gegen die illegale Weitergabe und Handel mit e-Mail-Adressen, realen Adressen und persönlichen Daten durch Adresshändler.

Schufa & Co sammeln hemmungslos Daten über eröffnete Bankkonten, Kreditaufnahmen, von Firmen gemahnte Rechnung und führen pro Person ein Scoring bezüglich Kreditwürdigkeit für die verschiedenen Branchen durch. Diese Daten werden dann allen Arten von Unternehmen gegen Geld zur Verfügung gestellt, um die Zahlungsmoral und Kreditwürdigkeit eines Kunden prüfbar zu machen. Erwähnt werden sollen auch die bei den Amtsgerichten geführten Schuldnerverzeichnisse.

Erinnert sei auch an die durch Fehler in der Informationssicherheit der Unternehmen bekannt gewordenen “Datenverluste” durch “Datenpannen” bei Telekom, Apple, Schlecker u. a. mit sehr persönlichen Daten der jeweiligen Geschäftsbeziehung.

 

Die Behörden wie Finanzamt und BaFin (Aufsicht über Banken, Versicherer, Finanz- und Anlagegesellschaften sowie Fonds) haben Zugriff auf Bankkonten. Die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) ist mit anderen öffentlichen Dienststellen vernetzt.

Firmen in Deutschland bespitzeln ihre Mitarbeiter mit Video-Kameras und Detektiven.

Die Polizei in Ländern, Landkreisen, Städten und Gemeinden stellt immer mehr Radarfallen auf, um die Bürger zu berauben, auch an Stellen, die nichts mit der Verkehrssicherheit zu tun haben. In Bad Nauheim stellte man die Radarfalle sogar vor einem 30 km Schild auf und kassierte. Die Stadt musste die einkassierten Verwarnungsgelder wieder an die Bürger zurück zahlen!

Grundsätzlich kann heute von jedem Bürger, der seine Wohnung verlässt, ein Bewegungsprofil erstellt werden.

Unser Staat nimmt inzwischen bei der Beantragung von Ausweisen Fingerabdrücke des Bürgers, wie es früher nur beim Erkennungsdienst der Polizei für die Spurensicherung und Spurenauswertung üblich war. Der Bürger hat bei der Erfassung der Fingerabdrücke im Gegensatz zur Abbildung in Google Streetview keinerlei Widerspruchsrecht!

Der neue Personalausweis beinhaltet eine eID (electronic Identity) oder Online-Ausweisfunktion zur Identifizierung bei Online Geschäften und eine Unterschriftsfunktion (elektronische Signatur).

Die staatliche Datensammlung ELENA (elektronischen Entgeltnachweis) speichert Daten aller Arbeitnehmer. Die Bundesregierung hat wegen anhaltender Kritik beschlossen, das Verfahren zunächst bis 2014 auszusetzen.

Unser Innenminister de Maizière möchte die Vorratsdatenspeicherung über Monate für Telefonate und Internetverkehr möglichst wieder schnell per neuem Gesetz einführen, um alle Arten von Verbrechern besser zu jagen.

Die Politiker stimmten dem SWIFT-Abkommen zwischen der EU und den USA zu, was eindeutig aus meiner Sicht die Privatsphäre verletzt. Wen geht es etwas an, was von und zu meinem Konto transferiert wird?

Sicherlich habe ich Sachverhalte der Datenspeicherung bzw. Weiterleitung außerhalb von Unternehmen unvollständig aufgeführt. Die Liste lässt sich sicherlich fast beliebig erweitern.

Auf Flughäfen werden Personen (Nacktscanner), persönlichen Gegenstände, Reisegepäck und zukünftig Inhalte von Paketen kontrolliert.

Wir leben in einer digitalen und globalisierten Welt und die verfügbaren Techniken werden von allen an den Daten Interessierten nicht nur zur Überwachung der Bürger, sondern auch aus kommerziellen Zwecken, genutzt. Im Science-Fiction Roman 1984 von George Orwell, geschrieben 1946/47, wurde diese transparente Welt für den Staat und Unternehmen bereits beschrieben.

Google hat die Weltkarte der Zensur überarbeitet, sowohl technisch als auch
optisch. Zu erkennen ist die Anzahl der Löschungsforderungen nach Ländern aufgeschlüsselt von Regierungsstellen.

Das alles geschieht in der Regel ohne die Mitwirkung des betroffenen Bürgers.

Mir scheint, bei der Debatte um Google Street View soll von anderen Dingen, die für uns brisanter sind, abgelenkt werden.

Nachtrag vom 19.11.2010: Endlich hat man wieder einen Grund: “Terrorbekämpfung” mit der Folge, dass die Innenminister der Bundesrepublik Deutschland die Vorratsdatenspeicherung (Telefon- und Internetdaten) wieder einführen wollen!

Nachtrag vom 17.12.2010: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat herausgefunden, dass zahlreiche Internet-Adventskalender Kinder zur Preisgabe persönlicher Daten verleiten. Von 18 getesteten Angeboten zielte ein Drittel darauf ab, an Informationen zu gelangen, die sich zu Werbezwecken verwenden lassen.

Nachtrag vom 19.01.2011: Wie heute bekannt wurde, wird die Post der deutschen Soldaten in Afghanistan systematisch geöffnet.

Nachtrag vom 09.02.2011:Das transatlantische Bankdatenabkommen Swift gewährt nach einem Medienbericht US-Terrorfahndern tiefere Einblicke in die Finanzen Tausender Europäer. Die USA kann auf Überweisungen von einem EU-Land ins andere zugreifen, wenn sie über das System Swiftnet Fin erfolgen. Auch ein Sprecher des Finanzdienstleisters Swift bestätigte dies.

Nachtrag vom 04.03.2011: Wie der Spiegel berichtete, wurde einem Rechtsanwalt vom Zoll bei der Einreise in München auf dem Flughafen eine Software aufgespielt, die bei Aktivitäten an dem Notebook alle 30 Sekunden einen Screenshot an die Polizei übermittelte. Bisher ungefähr 60.000 Bilder! Das ist eine Online Durchsuchung ohne rechtliche Genehmigung und zeigt wie unser Staat den Bürger ausspioniert.


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